Bigfoot-DNA, Teil 1

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DNA-Tests könnten belegen, dass es den Bigfoot wirklich gibt. In den Jahren 2013 und 2014 wurden zwei Studien veröffentlicht, die angebliche Haar- und Blutproben des Affenmenschen unter die Lupe nahmen. Die Medizinerin Melba Ketchum zeichnet für die erste Publikation verantwortlich. Sie testete nach eigenen Angaben über 100 Proben aus den USA und Kanada, darunter auch einen Fleischfetzen, der von einem getöteten Bigfoot stammen soll. Ihr Fazit: Bigfoot ist das Resultat einer Hybridisierung zwischen Mensch und einer anderen, noch unbekannten Hominidenart. Doch ihre Arbeit ist höchst umstritten: Zahlreiche Forscher weltweit sind bei eingehender Analyse ihrer Daten zu anderen Schlüssen gekommen.


Zahlreiche Geschichten

Berichte über getötete Bigfoots existieren. Doch nie konnten die Schützen oder Besitzer der Leiche Beweise für ihre Behauptungen liefern. Oder aber die Überbleibsel kamen von einer bekannnten Spezies, verschwanden oder entpuppten sich am Ende als Schwindel.

Bekannt ist etwa die Geschichte des Minnesota Iceman, dem Urmenschen im Eis. Dabei handelte es sich um ein Ausstellungsstück, dass in den 60er-Jahren in Einkaufszentren und auf Rummelplätzen in ganz Nordamerika vorgeführt wurde.

Angeblich handelte es sich um einen Bigfoot aus den Wäldern Minnesotas, den der Besitzer Frank Hansen selbst in Notwehr erschossen hatte. Dies behauptete zumindest Hansen. Experten, die den Körper durch die Eisschicht, in der er eingeschlossen war, untersuchten, waren der Ansicht, dass die Kreatur echt war.

So etwa Bernard Heuvelmans, ein Zoologe aus Belgien, der sogar ein Buch über den Fall verfasste: L’Homme de Néanderthal est toujours vivant. Zu deutsch: Der Neandertaler hat überlebt.

Skeptiker sind anderer Meinung: Sie denken, dass der Eismensch kein echter Urmensch, sondern einfach eine sehr gut gemachte Gummifigur war.

Die Wahrheit wird wohl nie ans Licht kommen, denn der Körper verschwand Ende der 60er-Jahre unter mysteriösen Umständen.

Aus jüngster Zeit gibt es eine Reihe von Behauptungen, dass zumindest auf Bigfoots geschossen wurde. Die Berichte der North American Wood Ape Conservancy (NAWAC) stechen vor allem heraus. Zwei der Mitglieder dieser in Texas ansässigen Organisation, Daryl Colyer und Travis Lawrence, behaupten, 2011 und 2013 in den Ouachita-Bergen in Oklahoma auf Bigfoots gefeuert zu haben. Beide verfehlten aber ihre Ziele und konnten keine Leiche finden.

2010 wurde aber ein Fall bekannt, bei dem ein Bigfoot getötet und dessen vermeintliche Überbleibsel auch tatsächlich gefunden wurden. Die Geschichte sorgte damals als erstes in US-amerikanischen Internetforen für Jäger für Furore, bevor sie von Bigfoot-Forschern entdeckt und schliesslich von diversen Medien aufgegriffen wurde. Die Geschichte um das so genannte Bigfoot-Steak aus der Sierra Nevada gipfelte in zwei wissenschaftlichen Studien, an der auch ein Schweizer Museum beteiligt war.

«Es war ein Monster!»

Im Zentrum des Falls steht ein Kalifornier namens Justin Smeja. Der Elektriker aus Sacramento behauptete, dass er vor seiner seltsamen Erfahrung nicht an die Existenz von Bigfoot geglaubt habe. Smeja wirkt in Videointerviews ehrlich, direkt und ernsthaft in seiner Bemühung, Klarheit über seine Erfahrung zu bekommen.

Es geschah im Oktober 2010. Smeja fuhr zusammen mit einem Freund, dessen Name nicht bekannt ist, zur Jagd in die Berge der Sierra Nevada in Nordkalifornien. Es war bereits später Nachmittag und die beiden waren kurz davor, die Jagd abzubrechen, als sie plötzlich am Wegesrand mehrere grosse Kothaufen entdeckten.

Sie fuhren eine Weile weiter. Plötzlich sahen sie eine Kreatur auf einer Lichtung rund 90 Meter entfernt von ihnen. «Mein erster Gedanke war Bär», erzählte Smeja im Dokumentarfilm Dead Bigfoot. «Aber dann stand die Kreatur auf, hob ihre Arme über den Kopf und kam einige Schritte Richtung Fahrzeug.» Nun sahen sie, dass es kein Bär war. «Sie war menschenähnlich und von dichtem grauem Haar bedeckt», gab Smeja zu Protokoll.

Er griff zu seinem Gewehr und legte an. Doch der Fahrer protestierte. «Warte! Das ist kein Bär, das ist ein Mensch in einem Kostüm. Schiess nicht!»

Doch Smeja schoss. «Es war ein Monster und gehörte nicht hierhin», erklärte er später. Die Männer sahen, wie das Projektil die Kreatur in die Brust traf. Sie taumelte und ging zu Boden. Doch zum Erstaunen der Jäger rappelte sie sich Sekunden später wieder auf und stolperte teils auf allen Vieren davon.

Smeja legte erneut an, um die Kreatur zu töten. Doch er wurde abgelenkt. «Halt, da sind noch mehr!», rief der Fahrer. Sie sahen, wie zwei kleinere Gestalten, die ähnlich aussahen wie die grosse, über die Lichtung liefen. Die Männer stiegen aus und rannten los.

Als sie bei der Lichtung ankamen, sahen sie die Jungtiere. Das grosse war verschwunden.

«Es schien so, als suchten auch sie nach der verletzten Kreatur, vielleicht war’s ihre Mutter», sagte Smeja. Die Jäger beschrieben die Jungtiere wie eine Mischung aus Gorilla und Bär.

Die Leiche verbuddelt

Ein Phantombild, das später unter Anleitung von Smeja erstellt wurde, gleicht eindeutig einem jungen Gorilla. Die Jungtiere seien aber im Gegensatz zum Grossen schwärzlich gefärbt gewesen. Auffallend sei der Kopf gewesen, der im Verhältnis zum Rest des Körpers sehr gross gewesen sei. Die Tiere hätten zudem seltsame Geräusche von sich gegeben. «Es klang fast so, wie wenn ein Taubstummer versucht zu sprechen», sagte Smeja.

Smeja legte erneuet sein Gewehr an und schoss auf eines der Jungtiere. Smeja gab später an, dass er einen Beweis haben wollte und deshalb das Junge toten wollte. Das kleine Wesen rollte ihm vor die Füsse und blieb tot liegen. Das andere konnte fliehen.

Die Männer verbuddelten die Leiche. Sie wollten sie später holen, da sie Angst hatten, dass Jagdinspektoren oder Ranger die Schüsse gehört hatten und bereits unterwegs waren, wie Smeja erklärte. Sie fürchteten sich vor ernsthaften Konsequenzen, hatten sie doch etwas getötet, das sehr menschenähnlich aussah.

«Er wirkte glaubwürdig»

Derek Randles, ein langjähriger Bigfoot-Forscher aus Seattle, war der erste, der Smejas Bericht untersuchte. Er interviewte sowohl Smeja als auch den anonymen Fahrer. «Sie machten beide einen sehr glaubwürdigen Eindruck und ihre Schilderungen deckten sich», berichtete das ehemalige Mitglied der Bigfoot Field Researchers Organization (BFRO).

Auch andere Exponenten der Bigfooter-Szene, die ich aufgrund von persönlichen Gesprächen als vertrauenswürdig einstufen würde, glaubten Smeja. So etwa Bart Cutino, ein Mitglied der BFRO aus Kalifornien, oder der Filmemacher Ro Sahebi, der schliesslich einen Dokumentarfilm über das vermeintliche Bigfoot-Massaker namens Dead Bigfoot produzierte, der in der Bildergalerie oben angeschaut werden kann.

Der Hype um Smejas Bericht war gross. Das ist verständlich, denn es bot sich eine einmalige Chance: Eine Bigfoot-Leiche würde die Debatte, ob Bigfoot existiert oder nicht, ein für allemal beenden. Ein Skelett oder Körperteile, aus denen grosse Mengen an DNA gewonnen werden konnten, würden jeden Wissenschaftler überzeugen.

Die Leiche ist verschwunden

Die Bigfooter motivierten Smeja, die Leiche zu holen. Doch er konnte erst Wochen später zurückkehren, da starke Schneefälle eine Bergung lange verunmöglichten. Ein Bluthund führte ihn schliesslich zur Stelle, wo er die Leiche begraben hatte. Er begann zu buddeln, doch fand keine Knochen. Das einzige, was Smeja fand, war ein kleiner Fleischfetzen, an dem noch einige Haare hingen.

Auch weitere Suchaktionen in den Wochen und Monaten darauf, unter anderem auch unter der Beteiligung des Anthropologen und Bigfoot-Forschers Jeff Meldrum, blieben erfolglos.

Was war mit dem angeblichen toten Bigfoot-Jungtier passiert? Smeja und seine Mitstreiter erklärten, die Überreste seien wohl bereits von anderen Tieren gefressen oder aber vom schmelzenden Schnee weggespült worden. Kritiker glaubten, dass nie eine Bigfoot-Leiche existiert hat und das Ganze ein gross angelegter Schwindel war.

Die Ketchum-Studie

Der gefundene Fleischfetzen aus der Sierra Nevada ist mehreren DNA-Tests unterzogen worden. Zwei grosse wissenschaftliche Studien, eine von 2013, die andere von 2014 nahmen ihn unter die Lupe. Erstere kam zum Schluss, dass die Probe von einer neuen Menschenform stammt, die andere behauptet, dass der Fleischfetzen lediglich das Überbleibsel eines Schwarzbären ist. Wer hat nun recht?

Melba Ketchum heisst die Person, welche die erste Studie veröffentlichte. Die Texanerin ist Veterinärmedizinerin und leitete jahrelang ein eigenes DNA-Labor namens DNA Diagnostics. Ihr Interesse für Bigfoot rührt von einer Erfahrung im Jahr 2008. Damals analysierte sie für die US-TV-Show Destination Truth ein Haar aus Bhutan, von dem vermutet wurde, dass es ein Yeti hinterlassen hatte. Ketchum konnte das Haar keiner bekannten Art zuordnen und behauptete, es stamme von einer unbekannten Primatenart.

Ketchum wurde in der Folge immer wieder von Bigfoot-Forschern angefragt, ob sie nicht ihre Proben untersuchen könne. Sie entschied sich schliesslich, motiviert durch Sponsoring-Angebote vermögender Bigfoot-Enthusiasten wie Adrian Erickson und Wally Hersom, eine umfassende Studie durchzuführen.

Im Jahr 2013 kam diese Studie heraus, veröffentlicht wurde sie in einem neuen Online-Journal namens DeNovo.

Eine Unterart des Menschen

Sie stützt sich auf 111 Proben, die meisten davon Haare, Blut und Speichel. Drei der Proben, so behaupten die Autoren, hätten das komplette Erbgut der neuen Menschenform enthüllt.

Die Proben stammen aus insgesamt 14 US-Bundesstaaten und zwei kanadischen Provinzen. Forscher des Erickson-Projekts sammelten viele der Proben. Die meisten kommen allerdings vom Olympic-Projekt, einem Forschungsvorhaben auf der Olympic-Halbinsel in Washington State, das vom Hobbyforscher Derek Randles geleitet wird. Gesammelt wurde der Grossteil von Richard Germeau, einem Polizisten.

Unter anderem fand Germeau Speichelreste auf der Linse einer Kamera, die er in der Wildnis der Halbinsel aufgestellt hatte. «Aus dieser Probe konnte Melba brauchbare DNA entnehmen. Sie stimme mit vielen anderen Proben über. Wir haben sehr viel gesammelt. Wir hatten tausende von Haaren, aber schlussendlich konnten wir nur etwa 30 davon brauchen», sagte mir Germeau 2015 in einem Interview.

Ketchum kam zu folgendem Ergebnis: Bigfoot soll eine Hybridspezies sein, die ihren Ursprung bei einer menschlichen Mutter hatte, welche sich mit einem Männchen einer unbekannten Hominidenart fortpflanzte. Dieser Kreuzungsprozess soll erst vor 15 000 Jahren in Europa stattgefunden haben, in einer Zeit also, als die Neandertaler längstens ausgestorben waren und in Europa gemäss aktuellem Forschungsstand nur noch moderne Menschen lebten.

Gemäss Ketchum ist Bigfoot eine Unterart des modernen Menschen: Sie gab ihm den taxonomischen Namen Homo sapiens cognatus.

Ein «Galileo-Effekt»?

Die Zahlen zur Ketchum-Studie sind beeindruckend: Über 100 Proben wurden getestet, 12 Autoren schrieben daran, und die Kosten sollen sich auf eine halbe Million Dollar belaufen haben. Das erweckt den Eindruck einer seriösen, breit abgestützten Studie. Insofern erstaunt es, dass der Artikel in einem neuen bis dato unbekannten Online-Journal veröffentlicht wurde.

Das Hauptproblem ist, dass das Journal Melba Ketchum selbst gehört. Sie hatte es kurz vor der Veröffentlichung ihrer Arbeit ins Leben gerufen.

Ketchum konnte so den sonst in der Wissenschaft zentralen Peer-Review-Prozess umgehen. Beim Peer Review (Kreuzgutachten) wird eine Studie von Forscherkollegen mit derselben Fachrichtung auf Herz und Nieren geprüft. Vor allem achten sie darauf, dass die Analysemethoden richtig gewählt und eingesetzt wurden.

Gemäss eigenen Angaben sandte Ketchum ihren Artikel verschiedenen bekannten Journals wie Nature, doch er sei überall abgewiesen worden.

Ein eigenes Journal zu gründen sei eine Verzweiflungstat gewesen, erklärte Ketchum. Sie sprach von einem Galileo-Effekt, in Anlehnung an den grossen italienischen Universalgelehrten, der die revolutionäre These stützte, die Erde drehe sich um die Sonne. Sie behauptete, ihre Ergebnisse seien so bahnbrechend, dass all die bekannten Journals ihre Studie ohne berechtigte Kritik abgelehnt hätten.

Doch Forscherkollegen weltweit sind anderer Meinung: Ketchums Studie sei fehlerhaft und das Ergebnis deshalb sehr zweifelhaft.

Die Probleme begannen bereits vor der Veröffentlichung: Die Studie war Gesprächsthema innerhalb der Bigfooter-Community lange bevor sie herauskam. Verschiedenste Forscher, welche Proben einreichten oder sonst daran beteiligt waren, sprachen darüber und nahmen dabei teils sogar die Ergebnisse vorweg.

Auch die Studienleiterin selbst gab immer wieder Infos preis und spannte die Öffentlichkeit regelrecht auf die Folter. So verschickte sie eine Medienmitteilung, in der sie schrieb, dass ihre Studie eine neue Hominidenspezies nachgewiesen hätte. Der wissenschaftliche Artikel, der diese Behauptung untermauern sollte, erschien aber erst Wochen später. Diese Vorgehensweise ist sehr unüblich: Normalerweise werden Medieninfos erst kurz vor oder zeitgleich mit der Veröffentlichung einer wissenschaftlichen Studie freigegeben.

«Das ist Unsinn»

Ich fragte kurz nach der Veröffentlichung den Schweizer Anthropologen und DNA-Experten Laurent Excoffier von der Universität Bern, was er von der Ketchum-Studie hält. Er war unbeeindruckt. «Der Artikel ist unwissenschaftlich», lautete sein Statement. «Vieles macht keinen Sinn. Beispielsweise benützten die Forscher mehrere Analysemethoden, aber erläuterten nicht, warum sie diese wählten und wie sie im Detail vorgingen. Auch sind einige der Experimente, die sie durchführten, seltsam», so Excoffier.

Für ihn ist die Studie kein Beweis für die Existenz von Bigfoot. Stattdessen hat sie ihn eher amüsiert: «Gemäss der Grafik vom Stammbaum der Affen und Menschen sind die Menschen näher mit den Lemuren als mit den Gorillas verwandt. Das ist natürlich Unsinn.»

Ich fragte auch den «Bigfoot-Professor» Jeff Meldrum. Auch er zeigte sich kritisch. Er kritisiert vor allem, dass nicht die kompletten DNA-Sequenzdaten zusammen mit der Studie veröffentlicht wurden, was eigentlich gang und gäbe sei. «Für mich ist die Interpretation deshalb ohne Grundlage. Die Studie stellt so für mich keinen Beweis für Bigfoot dar.» Zudem macht in seinen Augen das Ergebnis, wonach Bigfoot eine Unterart des modernen Menschen sei, keinen Sinn: «Es passt erstens nicht zu dem, was wir sonst über Bigfoot an Spuren und Beobachtungen gesammelt haben, und zweitens auch nicht zu unserem Wissen über die Evolution und Verbreitung der Menschen und anderer Hominiden.»

Tatsächlich stellt sich die Frage: Kann ein grosses, affenhaftes Wesen, das scheinbar ohne Behausung und ohne Gebrauch von Feuer in der Wildnis lebt und gemäss Berichten öfters auf allen vier Beinen läuft, ein quasi-moderner Mensch sein?

Probe stammt von Bären

Einer, der die Ketchum-Studie nicht bloss kritisierte, sondern die DNA-Buchstabenreihen der Proben überprüfte, war der US-Chemiker Haskell Hart. Sein Ergebnis stützt die oben erwähnten Statements: Alle Proben stammen von bekannten Arten: Unter anderem von Hirschen, Bären, Koyoten und Menschen. Jene aus der Sierra Nevada, die von einem getöteten Bigfoot stammen soll, identifizierte er als Überbleibsel eines Schwarzbären.

Dieses Ergebnis publizierte er 2016 in den zwei kryptozoologischen Fachjournalen Journal of Cryptozoology und Relict Hominoid Inquiry.

Zum selben Schluss wie Haskell kam eine Untersuchung des Biologen Bradley White von der Trent University, die Justin Smeja selbst in Auftrag gegeben hatte. Whites Fazit: Der Fleischfetzen aus der Sierra Nevada stammt eindeutig von einem Schwarzbären.

Für die Kritiker steht fest: Die Ketchum-Studie ist fehlerhaft. Doch womit lässt sich ihr Fazit erklären? Wohl mit einer Mischung aus falscher Analyse und falscher Schlussfolgerung. Am wahrscheinlichsten ist, dass die Proben durch menschliche DNA «verschmutzt» wurden. Das passiert etwa, wenn die Proben ohne Handschuhe angefasst werden. Dies, gekoppelt mit Ketchums fehlerhafter Interpretation, war wohl der Grund für die seltsamen Resultate.

Ich fragte auch Thomas Gilbert nach seiner Meinung. Gilbert ist Genetiker an der Universität von Kopenhagen in Dänemark und hat bereits selbst angebliche Bigfoot-Proben unter die Lupe genommen. Sie alle erwiesen sich als Hunde-DNA. Er glaubt nicht, dass Kreaturen wie Bigfoot oder Yeti existieren.

Auch für ihn macht das Resultat der Ketchum-Studie wenig Sinn: «Es ist nicht plausibel, dass die menschliche DNA in ihren Proben derart stark variiert. Unter anderem fand sie auch DNA von Schwarzafrikanern. Fand somit die Hybridisierung in New York City statt? Plausibler wäre in meinen Augen, wenn sie vornehmlich die DNA von amerikanischen Ureinwohnern gefunden hätte.» Er vermutet, dass vor allem bei der Analyse der Daten Fehler passiert sind.

Unter vielen Hobbyforschern herrschte in der Folge Enttäuschung: Der wohl bis dato vielversprechendste Versuch, das Bigfoot-Rätsel zu lösen, war grandios gescheitert.

Doch es machte sich schon bald neue Hoffnung breit: Eine weitere Studie war angekündigt worden, diesmal von einem bekannten englischen Wissenschaftler.

Zum zweiten Teil

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Literaturverzeichnis:

– Bigfoot Evidence Blog, Tyler Huggins and Bart Cutino Share Statements & First Forensic Lab Report On Sierra Kills Sample, 2012, URL: http://bigfootevidence.blogspot.ch/2012/12/tyler-huggins-and-bart-cutino-shares.html
– Colyer, Daryl G. et al, The Ouachita Project Monograph, 2015, URL: http://media.texasbigfoot.com/OP_paper_media/OuachitaProjectMonograph_Version1.1_03112015.pdf
– Hart, Haskell, Not Finding Bigfoot in DNA, in: Journal of Cryptozoology (volume 4, December 2016), URL: http://www.journalofcryptozoology.com/
– Hart, Haskell, DNA as evidence for the existence of relict hominoids, Relict Hominoid Inquiry, 2016, URL: http://www2.isu.edu/rhi/pdf/HART-DNA-Evidence.pdf
– Ketchum, Melba et al, Novel North American Hominins, Next Generation Sequencing of Three Whole Genomes and Associated Studies, 2012, URL: http://sasquatchgenomeproject.org/linked/novel-north-american-hominins-final-pdf-download.pdf
– Krantz Grover, Big Foot-Prints: A Scientific Inquiry into the Reality of Sasquatch, Boulder 1992
– Meldrum, Jeff, Sasquatch: Legend Meets Science, New York 2007
– Sykes, Bryan, The Nature of the Beast, London 2015
– Sykes, Bryan et al, Genetic analysis of hair samples attributed to yeti, bigfoot and other anomalous primates, in: Proceedings of the Royal Society B: Biological Sciences (volume 281, issue 1789), 2014, URL: http://rspb.royalsocietypublishing.org/content/281/1789/20140161

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