Tote am Breitscheidplatz? Daniele Ganser hat seine Zweifel

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Ex-ETH-Historiker Daniele Ganser ist und bleibt eine umstrittene Figur. Der geschasste Professor, der nun hauptberuflich Vorträge über Politik in halb Europa hält und dabei regelmässig Säle füllt, ist bekannt dafür, ins Gebiet der Verschwörungstheorien vorzustossen. Der Schweizer sorgt dabei immer wieder für Gesprächsstoff und zornige Reaktionen. Jüngst im Dezember 2017, als er auf seiner eigenen Facebook-Seite das Attentat auf einen Berliner Weihnachtsmarkt im Jahr 2016 thematisierte. Er verwies auf ein neues Buch des in Deutschland lebenden und höchst umstrittenen Autoren Elias Davidsson und verlinkte einen von Davidsson jüngst verfassten Artikel zum Attentat, der auf dem Webportal Rubikon erschienen ist.

Hier der Post von Ganser:

Ich machte mich im Kommentarbereich lächerlich über Gansers Post. Ein anderer Kommentator, der Blogger und Journalist Reda El Arbi, reagierte empört über Gansers Beitrag.

Wenige Tage später veröffentlichte El Arbi auf seinem Blog einen offenen Brief, in dem er Ganser heftig kritisierte. Die Sprache war zwar derb, doch seine Beobachtungen decken sich mit meinen eigenen. Er schrieb unter anderem:

Sie nehmen einige ausgewählte Fakten und reihen sie so auf, dass sie nur eine mögliche Antwort implizieren. Dann treten Sie zurück und sagen: «Zieht selbst Schlussfolgerungen». Dazu liefern Sie Thesen, die Lücken in der Dokumentation (die es immer gibt, weil wir nicht in einer total überwachten Welt leben) in Ihrem Sinne füllen. Sie verschweigen Wahrscheinlichkeiten und zitieren nur «Kollegen», die Ihre These stützen. Alle anderen wissenschaftlichen Erkenntnisse werden ausgeblendet. So lügen Sie nicht explizit, aber Sie ficken die Realität. Big Time.

El Arbi postete einen Link auf seiner eigenen Facebook-Seite. Unterhalb des Beitrags flammte daraufhin eine Diskussion zwischen mir und Stefan Schaer, einem Schweizer 9/11-Zweifler, auf, die ich in voller Länge hier poste. Ich möchte vor allem auf meine letzten paar Beiträge hinweisen. Darin zeige ich zum einen auf, wie Verschwörungstheoretiker argumentieren, und zum anderen, warum es schwierig ist, ihre Aussagen zu widerlegen oder überhaupt darauf einzugehen.

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Bildnachweis:

– Kerzen für die Opfer des Attentats in Berlin. Das Foto stammt von Jens-Olaf Walter via Flickr.

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Chris Kummer ist langjähriger Journalist aus der Schweiz. Er schreibt für verschiedene Zeitungen und Magazine über unterschiedliche Themen. Er interessiert sich besonders für wissenschaftliche Kontroversen, Zukunftsforschung und Videospiele. Er folgt dem Credo «nichts glauben, alles hinterfragen» und setzt sich für offene und zugleich kritische Untersuchungen ein.

1 thought on “Tote am Breitscheidplatz? Daniele Ganser hat seine Zweifel

  1. Ihre Sprache entlarvt die Verschwörungstheoretiker (soryy für den Kampfbegriff). Sie behaupten stets, ein Ereignis sei ungeklärt oder nicht vollständig geklärt. Da frage ich mich: Welche Bedingungen müssten denn in ihren Augen erfüllt sein, dass etwas als geklärt gilt? Es wird kaum je etwas in der Geschichte vollständig geklärt, was auch immer das genau heissen soll (100% Konsens unter den Historikern?).

    Wenn Ganser beispielsweise fordert, der 11. September solle vollständig aufgeklärt werden, sollte ihm als Historiker bewusst sein, dass das nicht möglich ist und Geschichtsschreibung nie ein abgeschlossener Prozess ist, der hieb- und stichfeste Beweise für eine Version der Geschichte liefert. Ganser bleibt auch eine Erläuterung schuldig, was denn eine vollständige Aufklärung genau bedeuten soll.

    Leider fallen viele Anhänger auf diese romantisch-überhöhte Darstellung von Historikern herein: Kommissare, die den Täter-Beweis erbringen und einen Fall zweifelsfrei auflösen.

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