Warum die Skeptiker wohl Recht haben

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Bigfoot-Forscher haben ein grosses Problem: Bigfoot kann offenbar nicht sterben. Bis heute sind keine Knochen der Kreatur aufgetaucht. Zudem gelingt es dem phantomhaften Affenmenschen hervorragend, Kameras und DNA-Fallen aus dem Weg zu gehen. Und das, obwohl er jährlich Dutzende Male beobachtet wird. Für die Skeptiker ist der Fall klar: Zeugen sehen Bären, die sich aufrichten, kostümierte Menschen und bilden sich das Monster ein. Die These überzeugt – zumindest grösstenteils.

Man sollte generell ein Skeptiker sein. Insbesondere wenn man mit grossen Behauptungen und seltsamen Anomalien konfrontiert wird. Man sollte das präsentierte Material kritisch anschauen und sich fragen: Gibt’s eine einfachere Erklärung?

So auch beim Thema Bigfoot. Ist die Fussspur auf dem Foto nicht eher der ungewöhnliche Tatzenabdruck eines Bären? Ist die dunkle Gestalt im Video nicht bloss ein Schatten oder ein Baumstrunk? Ist das Geräusch, das der Forscher zu vernehmen glaubte, nicht eher durch eine Eule oder einen Wolf zu erklären?

Diese Suche nach naheliegenden Erklärungen, nach solchen, die auf unserem etablierten Wissen und nicht auf weitgehend haltlosen Spekulationen und Annahmen gründen, ist der Kern des wissenschaftlichen Skeptizismus. Es gibt heute keinen Beweis für die Existenz des Bigfoots, das muss klar festgehalten werden. Es gibt höchstens Indizien. Entsprechend zurückhaltend geben sich Wissenschaftler. Und entsprechend gilt Bigfoot für die meisten Menschen als Legende, als Hoax und als moderner Mythos.

Skeptiker: «Bigfoot-Forschung ist Pseudowissenschaft»

Der Skeptizismus gibt all jenen, welche sich mit grenzwissenschaftlichen Themen befassen, eine gute Leitlinie. Wissenschaftliche Skeptiker verweisen auf die wissenschaftlichen Standards. Das heisst, sie verlangen nach nachprüfbaren Daten, also solchen, welche sich unabhängig vom Betrachter analysieren und gegebenenfalls bestätigen lassen. Die Skeptiker untersuchen Spuk-Phänomene, Ufo-Sichtungen, Verschwörungstheorien, angebliche Wunderheilmittel und allerlei andere grosse Behauptungen, denen (bislang) die Beweiskraft und die unabhängige Bestätigung fehlt.

Diese Themen- oder Forschungskreise lassen sich gemeinhin unter dem Begriff der Pseudowissenschaften zusammenfassen. Sie zeichnen sich gemäss US-Skeptiker Michael Shermer durch drei Eigenschaften aus: Erstens sei der Forschungsgegenstand unplausibel. Zweitens gäbe es für dessen Existenz keine Beweise, die den wissenschaftlichen Standards genügten, und drittens mache die Forschung hierzu keine Fortschritte – sie bleibe stehen und drehe sich immer um dieselben Kontroversen.

Auch die Bigfoot-Forschung wird von Skeptikern den Pseudowissenschaften zugeordnet. Sie erfülle die Kriterien: Bigfoot sei nicht plausibel, weil es keine Knochenfunde von Menschenaffen- oder Menschenarten (ausgenommen Homo sapiens) in Nordamerika gebe.

Weiter gebe es keine Beweise für Bigfoot, welche dem Standard der Wissenschaftsgemeinde genügten. Um eine neue Art als solche beschreiben zu können, braucht es nun einmal Überreste – also Knochen oder DNA-Spuren. Im Fall von Bigfoot fehlt beides.

Immer dieselbe Leier

Und die Forschung erziele keine oder kaum Fortschritte: Die Indizien sind in den rund 60 Jahren, in denen aktiv und grossflächig nach der Kreatur gefahndet wird, nicht besser geworden. Der Patterson-Film aus dem Jahr 1967 ist noch immer das beste Filmdokument – natürlich ist auch der für die Skeptiker höchst zweifelhaft.

Und die Diskussionen, die geführt werden, sind noch immer dieselben wie in den 50er-Jahren: Ist Bigfoot ein Affe oder ein Hominide? Ist er eine ausserirdische Lebensform oder eine Anomalie, die wir heute noch nicht begreifen können? Somit ist auch nicht klar, wo die Bigfoot-Forschung disziplinär anzusiedeln wäre. Ist es wirklich ein Fall für die Zoologen? Oder sind eher Anthropologen gefragt? Müssten sich Astrobiologen oder Quantenphysiker dem Thema widmen? Oder ist Bigfoot doch und definitiv ein Fall für die Psychologen, wie Skeptiker meinen?

Zeugenaussagen – das häufigste Indiz für die Existenz des Bigfoots – gelten nicht als wissenschaftlicher Beweis. Zeugenaussagen können nicht wiederholt werden, entsprechend kann der Forscher nicht mit eigenen Augen sehen, was der Zeuge gesehen hat. Michael Shermer schreibt in seinem Buch Why People Believe Weird Things, dass es keine Rolle spiele, ob nun 10 oder 100 Leute von einer unerklärlichen Erscheinung berichteten. Er verweist auf die zahlreichen Möglichkeiten, wie die Wahrnehmung der Menschen getäuscht werden kann.

Evolutionärer Vorteil wird zum Nachteil

Der Homo sapiens ist im Laufe seiner Geschichte dazu trainiert worden, Muster zu erkennen. Denn wer die Muster erkannte, etwa einen Tiger im Gebüsch, der erkannte die Gefahr – und überlebte. Deshalb hatten stets jene Menschen evolutionär einen Vorteil, die das besonders gut konnten. Doch Muster können auch täuschen. Eine Anordnung von Blättern in einem Dickicht kann wie ein Gesicht wirken, ein Baumstrunk in der Nacht wie eine unheimliche Kreatur.

Die meisten Bigfoot-Erfahrungen sind deshalb wohl mit Verwechslungen zu erklären, seien es nun statische Objekte oder aber bereits bekannte Tierarten oder Menschen. Ein Bär beispielsweise, der auf den Hintertatzen steht, sieht von weitem wie ein aufrecht gehender Affe aus. Und ein Jäger in einem buschigen Tarnanzug kann durchaus wie ein haariger Hominide wirken.

Diese Falschinterpretationen können verstärkt werden, etwa wenn sich der Zeuge schlecht mit der Tierwelt auskennt oder wenn er explizit in die Wälder geht, um nach Bigfoot zu suchen. Denn oftmals sieht der Mensch genau das, was er sehen will.

«Die Tageszeit, die Jahreszeit, das umgebende Laub, das Wetter und die menschlichen Variablen (Schläfrigkeit, Erfahrung, Erwartung, Angst, Sehvermögen und so weiter), all diese Faktoren tragen dazu bei, die Zuverlässigkeit der Menschen als Zeugen zu reduzieren», schreiben Daniel Loxton and Donald R. Prothero in ihrem hervorragenden skeptischen Werk Abominable Science!. «Millionen von Menschen sehen jedes Jahr Tiere in Nordamerika: Rehe rennen über eine Autobahn, Bären toben auf einer Müllhalde herum, eine Figur bewegt sich zwischen den Bäumen. Angesichts der Tatsache, dass jeder in Nordamerika der Idee ausgesetzt ist, dass Bigfoot existieren könnte, garantiert die grosse Anzahl an Tiersichtungen praktisch, dass Geschichten über Begegnungen mit Bigfoot auch in einer Welt ohne Bigfoot auftauchen werden.»

Michael Shermer weist in seinem Buch zudem auf veränderte Bewusstseinszustände hin, die etwa durch traumatische Erfahrungen, Medikamente, Umwelteinflüsse oder Krankheiten verursacht oder verstärkt werden können. Auch sie können für Bigfoot-Sichtungen verantwortlich sein.

Lukrative Trickserei

Oftmals werden Menschen auch einfach nur veräppelt. Die Bigfoot-Forschung ist durchzogen von Tricksereien und Lügen. Ein Beispiel aus jüngster Zeit ist der so genannte Georgia Body Hoax: Zwei Männer aus dem US-Bundesstaat Georgia behaupteten 2010, einen toten Bigfoot im Wald gefunden zu haben. Sie lösten ein gewaltiges Medienecho aus. Am Ende war die Bigfoot-Leiche nichts weiter als ein mit Schweinegedärmen ausstaffiertes Bigfoot-Kostüm. Die Urheber hatten aber ihre 15 Minuten Ruhm – so berichtete etwa der US-TV-Sender CNN live von der Pressekonferenz. Zudem verzeichneten sie Einnahmen durch YouTube-Werbung und DVD-Verkäufe.

Wer also Bigfoot inszeniert – und es muss nicht einmal so überzeugend sein – der kann Geld machen, was vor allem daran liegt, dass Bigfoot und andere spekulative Themen die Menschen faszinieren. Bigfoot ist beliebt, und das haben auch die Massenmedien erkannt. Sie berichten deshalb regelmässig über neue Videos und angebliche Sichtungen.

Überzeugende Berichte

Was bleibt somit von Bigfoot? Nichts als Fehldeutungen und Hoaxes? Sind die Skeptiker zwangsläufig korrekt mit ihrer Einschätzung? Nun, sie haben zumindest bislang die besseren Argumente.

Auch ich denke, dass der Grossteil der Sichtungen auf die oben ausgeführten Ursachen zurückgeht. Die meisten sind wohl mit Verwechslungen zu erklären. Der Schwarzbär ist ein guter Kandidat. 2009 publizierte der Ökologe Jeff Lozier eine Studie im Journal of Biogeography, in der er aufzeigt, dass das Verbreitungsgebiet dieser Bärenart und das Verbreitungsgebiet von Sasquatch-Sichtungen fast deckungsgleich sind.

Dennoch bleibt ein kleiner Teil von Zeugenaussagen übrig, der einen mehr als stutzig macht. Ich denke dabei insbesondere an die Berichte von Zoologen und Biologen, die sich mit der lokalen Tierwelt gut auskennen.

Der ehemalige Zoologe Alton Higgins aus Oklahoma behauptet etwa, mehrmals Bigfoots gesichtet zu haben. Über ihn und seine Forschungsgruppe, die North American Wood Ape Conservancy, habe ich in diesem Artikel ausführlich berichtet.

Zu den glaubwürdigen Zeugen zählt für mich auch der Biologe John Mionczynski, über den dieser spannende Artikel verfasst wurde. In den 70er-Jahren machte er eine Erfahrung, die ihn von der Existenz des Bigfoots überzeugte: Beim Zelten allein in der Wildnis Wyomings wachte er in der Nacht auf, weil etwas um sein Zelt schlich und ungewöhnliche Laute machte. Im Licht der Lampe, die draussen hing, sah er eine riesige, behaarte Hand, die auf dem Zelt ruhte. «Die Hand war mindestens doppelt so gross wie meine», liess er sich zitieren. Als er draussen ein Feuer anzündete, wurde er von mehreren Tannenzapfen getroffen. «Da wusste ich, dass es kein Bär sein konnte.»

Für mich ist es die Kombination von glaubwürdigen Berichten, interessanten Spurenfunden und Bilddokumenten, welche für die Existenz dieser Kreatur spricht. Die in meinen Augen interessantesten Indizien sind zum einen all jene gefundenen Fussabdrücke, welche nur schwer fälschbare Eigenschaften wie Hautrillen, abgespreizte Zehen oder Verletzungen aufweisen, und zum anderen der Patterson-Gimlin-Film aus dem Jahr 1967, der bis heute nicht als Fälschung entlarvt werden konnte.

Die kurze Sequenz, aufgenommen in der Wildnis von Nordkalifornien, zeigt ein braunes, behaartes Wesen, das ein Bachbett entlang schreitet. Besonders überzeugend finde ich die sichtbaren Muskelbewegungen: Man sieht ganz deutlich, wie sich bei jedem Schritt bestimmte Muskelgruppen an- und entspannen. Wie, so frage ich mich, konnte in den 60er-Jahren ein derart überzeugendes Kostüm angefertigt werden? Und würde es mit aktueller Kostüm-Technik gelingen? Dass der Film bislang trotz Bemühungen nicht nachgestellt werden konnte, spricht für seine Authentizität.

«Schlicht eine absurde Idee»

Über die Jahre hatte ich einige Diskussionen mit Skeptikern zum Bigfoot-Phänomen. Einen Kollege an der Universität, der Biologie studierte, fragte ich einst bei einem Bier, was er von Bigfoot halte und ob er bereit wäre, vermeintliche Bigfoot-DNA-Proben zu prüfen, wenn ich ihm solche unterbreiten würde. Er meinte, Bigfoot sei schlicht eine absurde Idee und kein Wissenschaftler wolle seine Zeit damit verschwenden. Es begann eine längere Diskussion.

«Naja, absurd finde ich die Vorstellung nicht», antwortete ich ihm, «vor allem vor dem Hintergrund jüngster Entdeckungen von neuen Hominidenarten, die zeitgleich mit Menschen vor wenigen zehntausend Jahren lebten.» Er unterbrach mich. «Die Bigfoot-Idee ist aber nicht, das vor tausenden von Jahren andere Menschenarten existierten, sondern dass diese bis heute existieren. Und wenn es sie heute gäbe, dann hätte man sie gefunden. Eine stabile Population braucht ungefähr zehntausend Exemplare. Wo sind die Gräber?»

Ich wies darauf hin, dass diverse Arten und Unterarten von Tieren mit weitaus weniger Exemplaren eine mehr oder weniger gesunde Population bilden könnten. «Nimm’ die Berggorillas als Beispiel mit einigen hundert Tieren. Und selbst wenn es zehntausende von Bigfoots benötigen würde, dann sehe ich nicht, wo genau das Problem liegt», sagte ich. «Dass sie bis heute hätten entdeckt werden müssen? Vor einigen Jahren wurde eine unbekannte Orang-Utan-Population in einem entlegenen Gebiet der Insel Borneo entdeckt. Es waren mehrere tausend Exemplare. Kürzlich erst wurde eine bislang unbekannte Löwenpopulation in Äthiopien entdeckt – das waren mehrere hundert Exemplare.»

«Hypothese wäre einfach zu beweisen»

«Nun», reagierte der Kollege, «Menschen leben seit Jahrtausenden in Amerika. wir sind gut im Konkurrenten ausschalten und im Jagen von grossen Säugern. Ausserdem verhalten sich die Populationen des Genus Homo signifikant anders als Berggorillas. Und eine Raubtierpopulation in Afrika kann unentdeckt bleiben, weil ihr Handeln durch andere Arten erklärt werden kann – das ist bei unserem Genus nicht der Fall: Wir würden Grabstätten, Höhlen und Werkzeuge finden.»

Ich fragte ihn, ob er schon jemals im Nordwesten der USA oder von Kanada gewesen sei. «Die Gebirge und Wälder sind sehr, sehr weitläufig und teilweise völlig unberührt von Menschen. Interessanterweise kommen aus diesen Gebieten, etwa der Olympic Pensinsula oder den Cascades, die meisten Sichtungen und Spurenfunde.»

Der Kollege lachte. «Und niemand hat eine anständige Spiegelreflexkamera dabei? Und niemand ist je einer Spur nachgefahren und hat sie gefunden? und niemand findet je eine Leiche? Hm, unterm Strich wäre die Hypothese extrem einfach zu beweisen. Der Fakt, dass sie trotz Bemühungen einiger Gruppen nicht bewiesen ist, lässt vermuten, dass sie falsch ist.»

Mein skeptischer Kollege wies daraufhin, dass angebliche Funde sich alle als Fälschungen oder Fehleinschätzungen herausgestellt hätten, und angebliche Sichtungen seien nie mit scharfen Fotos bestätigt worden. «Die meisten Leute, die an Bigfoot glauben, denken absolut irrational», behauptete er. «Ich halte Bigfoot für fast gleich unwahrscheinlich wie die Idee, dass Aliens auf der Erde sind. Auch zu dieser Hypothese gibt es haufenweise Gläubige, die behaupten, sie gesehen zu haben. Wieso glaubst du nicht auch an Aliens?»

«Vielleicht ist der Bigfoot ein Ausserirdischer», antwortete ich ihm augenzwinkernd. «Fakt ist doch, dass sich Wissenschaftler der Thematik verschliessen. Wie sollen Funde, etwa DNA, bestätigt werden, wenn die meisten nie in ein Labor gelangen?»

«Ich denke nicht, dass sich Wissenschaftler davor verschliessen», antwortete mein Kollege. «Es gibt ja etwa die Sykes-Studie, nur hat der Typ halt nichts gefunden. Die Existenz von Bigfoot ist definitiv nicht Konsensus, und das liegt nicht daran, dass die Hypothese unbekannt ist. Bigfoot wäre eine sehr gewinnbringende und karrierefördernde Entdeckung.»

Ein harter Brocken

Grundsätzlich kann ich meinem Kollegen beipflichten. Insbesondere in einem Punkt bin ich mit ihm einig: Die fehlenden Knochen und die wenigen Videos und Fotos machen so nicht wirklich Sinn.

Mittlerweile suchen Dutzende Hobby-Forschergruppen nach dem Geschöpf. In den letzten zehn Jahren gab es mindestens zwei wissenschaftliche Studien zu Bigfoot. Doch keines davon konnte Belege präsentieren. Es sind Millionen in die Forschung investiert worden. Bigfoot-Jäger nutzen Drohnen, Wärmebildkameras und Nachtsichtgeräte, DNA- und Fotofallen. Da sollte es doch möglich sein, einen eindeutigen Beleg zu bekommen.

Es sollte. Aber muss es? Ist das Nichtauffinden eines eindeutigen Beleges trotz immenser Bemühungen der Beweis dafür, dass es den Bigfoot nicht gibt?

Nein. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass in Nordamerika eine undokumentierte Menschenaffenart lebt, ist gering. Man muss einige grosse Annahmen treffen, um Bigfoot und seine sensationelle Fähigkeit, unentdeckt zu bleiben, erklären zu können.

Denkbar wäre, dass der Bigfoot viel seltener ist als uns die zahlreichen Sichtungen vorgaukeln. Wenn der Bigfoot heute nur noch in kleinen, über ganz Nordamerika verstreuten Populationen lebt, dann wäre es tatsächlich sehr schwierig, frische Knochen sicherzustellen. Vor allem auch, da Menschen- und Menschenaffen sehr langlebige Arten sind. Würden Knochen gefunden werden, so wäre es fraglich, ob diese vom Finder erstens als etwas Besonderes identifiziert würden, und zweitens ihren Weg auf den Schreibtisch eines fachkundigen Forschers finden würden. Diverse Bigfoot-Akademiker, etwa Leila Hadj-Chikh, denken zudem, dass Knochen längstens vorrätig sein könnten: In naturhistorischen Museen weltweit schlummern Unmengen von Tierleichen und anderen Überbleibseln, die einst gesammelt aber noch nie untersucht worden sind.

Doch auch dieses Erklärungskonstrukt hat ihre Probleme. Erstens: Wenn ein Grossteil der Sichtungen auf Verwechslungen oder schlicht Lügen zurückgeht, warum sollte das Gleiche nicht für alle Sichtungen gelten? Zweitens: Dass keine frischen Knochen von einer seltenen Primatenart gefunden werden, kann noch mit Mühe erklärt werden, doch warum werden keine Fossilien gefunden? Wo sind die Sklelettfunde aus längst vergangenen Zeiten? Wenn der Bigfoot seit dem Pleistozän in Nordamerika lebt (was er müsste), hätte er im Laufe seiner Geschichte, in der Hunderttausende von Exemplaren lebten und starben, Unmengen von Knochen hinterlassen. Wo sind die? Schliesslich haben auch der Säbelzahntiger oder das Mammut ganze Berge an Knochen hinterlassen. Und diese werden gefunden.

Man kann es drehen und wenden, wie man will: Das Problem der fehlenden Bigfoot-Knochen ist ein harter Brocken für alle, die an Bigfoot glauben.

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Bildnachweis:

– Das Foto vom Bären stammt von Conor Phelan via Flickr.

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Chris Kummer ist langjähriger Journalist aus der Schweiz. Er schreibt für verschiedene Zeitungen und Magazine über unterschiedliche Themen. Er interessiert sich besonders für wissenschaftliche Kontroversen, Zukunftsforschung und Videospiele. Er folgt dem Credo «nichts glauben, alles hinterfragen» und setzt sich für offene und zugleich kritische Untersuchungen ein.

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