9/11 – was geschah wirklich?

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Die Bilder der anfliegenden Jets und einstürzenden Twin Towers brannten sich in unser Gedächtnis ein. 15 Jahre sind vergangen seit 9/11. Die Folgen der Attacken vom 11. September 2001 waren immens. Doch was geschah wirklich an diesem Tag? Nicht alle Menschen glauben der Darstellung der US-Regierung und den Experten, welche die Anschläge untersuchten. Viele vertreten noch heute dezidiert alternative Thesen. Sie behaupten, dass die US-Regierung selbst hinter den Attacken steckt. Auch Wissenschaftler.

In wenigen Tagen sind fünfzehn Jahre vergangen seit den Terrorattacken vom 11. September 2001. Das Ereignis war immens in seiner Ausstrahlungskraft. Es war der Auslöser für den von den USA geführten «War on Terror», der bis heute andauert und in dessen Verlauf mehrere Länder besetzt und Tausende Menschen ums Leben kamen.

Folgen von 9/11 waren auch das umstrittene Gefangenenlager Guantánamo, der Folterskandal von Abu Ghraib oder die als Patriot Act bezeichnete Verfassungsänderung in den USA, welche grundlegende Rechte der Bürger einschränkte.

Und aus dem Chaos, das von den Besatzungstruppen hinterlassen wurde, ging ab 2004 die Terrormiliz Islamischer Staat hervor, die seither zu einem zentralen Machtfaktor im nahen Osten geworden ist und immer wieder mit brutalen Terroranschlägen auf Zivilisten für Schlagzeilen sorgt.

Die meisten Akademiker stützen die offizielle Darstellung

Wie es oft bei solch einschneidenden und folgenschweren Ereignissen der Fall ist, entwickelten sich nach 9/11 verschiedene Erklärungen, wie es zu den Anschlägen gekommen sein soll.

Heute herrscht ein mehr oder weniger breiter Konsens unter Akademikern und Journalisten. Demnach führte die damals von Afghanistan aus operierende Terrororganisation Al-Kaida unter der Leitung von Osama Bin Laden die Anschläge durch. Eine Gruppe von 19 Al-Kaida-Mitgliedern hätten die Flugzeuge entführt und sie in die Twin Towers und ins Pentagon geflogen.

Doch es gibt auch alternative Ansätze. Solche, welche die Rolle von Al-Kaida als marginal ansehen oder der Terrororganisation bloss die Rolle von Sündenböcken zuweisen. Die These dieser Leute ist, dass die US-Regierung oder Kräfte innerhalb der Regierung die Anschläge orchestrierten.

Diese oft als Verschwörungstheorien bezeichneten alternativen Erklärungsansätze halten sich standhaft, obwohl inzwischen die meisten durch Akademiker, Journalisten und andere Experten widerlegt worden sind.

Die alternativen Thesen zu 9/11 sind verbreiteter als wohl die meisten Menschen glauben. Sie werden sowohl von Hobby-Forschern als auch einer Reihe von Wissenschaftlern und Politikern vertreten.

Ein Beispiel aus jüngster Zeit ist der deutsche Philosoph Karl Hepfer. Er stellt sich zwar nicht voll hinter die alternativen Thesen, aber weist dezidiert auf die angeblichen Ungereimtheiten in der offiziellen Darstellung hin.

«Offensichtlich brauchte es nach dem Kalten Krieg einen neuen Feind»

Hepfer, der an der Universität Erfurt lehrt, publizierte 2015 das an sich hervorragende Buch Verschwörungstheorien: Eine philosophische Kritik der Unvernunft, in dem er Sinn und Funktion von Verschwörungstheorien erläutert.

Er kommt darin auch auf 9/11 zu sprechen.

Unter anderem schreibt er zu den Twin Towers, dass «das Muster des Zusammensturzes schon auffällig» sei. «Ebenso wie die Tatsache, dass ein weiteres Gebäude auf dem Gelände (WTC 7) ebenfalls in dieser Weise zusammenbrach – ganz ohne, dass es von einem Flugzeug getroffen wurde; auffällig auch, dass andere Gebäude, die den Türmen viel näher waren, so gut wie unbeschädigt blieben.»

Er bezieht zwar nicht eindeutig Stellung für die Konspirologen, doch nimmt trotzdem deren Hauptargumente wiederholt in zustimmender Weise auf. So schrieb er auch: «(…) Offensichtlich brauchte es nach dem Ende des Kalten Krieges einen neuen Feind, um Kürzungen im Militäretat abzuwenden. Was läge da näher, als mit einer spektakulären Aktion an die langjährigen Vorarbeiten amerikanischer Aussenpolitik anzuschliessen.»

«Verschwörungen finden statt!»

Ein weiteres Beispiel ist Lance DeHaven-Smith, ein Politikwissenschaftler an der Florida State University. Er wehrt sich in seinem Buch Conspiracy Theory in America gegen die Bezeichnung Verschwörungstheorie, da der Begriff sowohl im öffentlichen und akademischen Diskurs oft mit Wahnvorstellungen und irrationalen Theorien gleichgesetzt werde. Forscher seien deshalb sehr zurückhaltend und würden sich ungern mit den Inhalten von Verschwörungstheorien auseinandersetzen.

Der Begriff conspiracy theory sei eine Erfindung der US-Behörde CIA aus den 60er-Jahren, betont DeHaven-Smith. Er sei in Umlauf gebracht worden, um Kritik am Untersuchungsbericht der Warren-Kommission zum Attentat auf John F. Kennedy zu unterbinden.

Verschwörungen von Regierungen würden aber stattfinden und seien gut dokumentiert, selbst in den USA, so DeHaven-Smith. Er nennt sie Staatsverbrechen gegen die Demokratie (State Crimes Against Democracy) oder kurz SCAD.

Dies seien Aktionen oder Unterlassungen von Regierungen respektive Elementen innerhalb von Regierungen, welche die Absicht verfolgten, demokratische Prozesse zu manipulieren und die Souveränität des Volkes zu untergraben.

Er erachtet auch die Anschläge vom 11. September als ein mögliches SCAD.

Ein Anfang

Täuschen sich diese Akademiker? Oder sehen sie etwas, dass andere Wissenschaftler nicht sehen oder nicht sehen wollen? Haben ihre Behauptungen und Andeutungen zu 9/11 Hand und Fuss?

Die Diskussion zu den Hergängen dieser grossen Terroranschläge ist auch 15 Jahre danach noch im Gang. Deshalb möchte ich in den folgenden Tagen und Wochen in mehreren Artikeln auf Argumente der Verschwörungstheoretiker im Detail eingehen.

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Literaturverzeichnis:

– DeHaven-Smith, Lance, 2013, Conspiracy Theory in America, Austin
– Greiner, Bernd, 2011, 9/11: Der Tag, die Angst, die Folgen, München
– Hepfer, Karl, 2015, Verschwörungstheorien: Eine philosophische Kritik der Unvernunft, Bielefeld

Bildnachweis:

– Das Foto stammt von Mark Yokoyama via Flickr.

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Chris Kummer ist langjähriger Journalist aus der Schweiz. Er schreibt für verschiedene Zeitungen und Magazine über unterschiedliche Themen. Er interessiert sich besonders für wissenschaftliche Kontroversen, Zukunftsforschung und Videospiele. Er folgt dem Credo «nichts glauben, alles hinterfragen» und setzt sich für offene und zugleich kritische Untersuchungen ein.

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